

Wie verändern generative KI-Tools musikalische Praxis und Musikpädagogik? Welche neuen Erfahrungs-, Lern- und Bildungsanlässe entstehen durch KI-generierte Klänge und Bilder? Und welche Unterrichtsmodelle braucht es für den KI-Einsatz im Musikunterricht? Diese und weitere Fragen standen im “KIMu_Lab” an der Hochschule für Musik Detmold im Mittelpunkt. In diesem KI:edu.nrw-Praxisprojekt wurde ein hochschuldidaktisches Modell für den Einsatz generativer KI in der Musiklehrkräftebildung entwickelt, erprobt, evaluiert und verbreitet werden. Wie das gelungen ist, erfahren Sie hier.
Im Wintersemester 2024/2025 startete an der Hochschule für Musik Detmold (HfM Detmold) das hochschuldidaktische Entwicklungs- und Forschungsprojekt KIMu_Lab – Künstliche Intelligenz in der Musik_Lehramtsausbildung, das als Praxisprojekt im Rahmen der zweiten Förderphase des Projekts KI:edu.nrw unter dem Dach der Digitalen Hochschule NRW gefördert wurde. Das Projektteam bestand aus Prof. Dr. Malte Sachsse & Prof. Dr. Jonas Völker (Projektleitung), Björn Jeddeloh & Tillmann Eller (wissenschaftliche Mitarbeiter) sowie Katharina Trofimow (studentische Hilfskraft) und wurde durch folgenden Praxisbeirat begleitet und unterstützt: Prof. Dr. Martin Heinrich & Dr. Wiebke Fiedler-Ebke (Uni Bielefeld), Manuela Köstner (Oberstufenkolleg Bielefeld), Mirjam Kyeck (ZfsL Detmold) und Jörg Bücker (ZfsL Paderborn).
Das Ziel war es, den Einsatz generativer KI in der musikpädagogischen Lehramtsausbildung konzeptionell zu entwickeln, in der Praxis zu erproben und dabei Erkenntnisse zu gewinnen, die sowohl die hochschuldidaktischen Lehrveranstaltungen als auch den Fachdiskurs empirisch informieren.
Anknüpfend an Positionen aus dem Fachdiskurs, der Allgemeinpädagogik und der Bildungspolitik wurden im ersten Projektabschnitt zentrale Design-Elemente formuliert, die als thematische und konzeptionelle Grundlage für die weitere Arbeit dienten. Im Sommersemester 2025 wurde das didaktische Lehrkonzept zunächst in einer musikpädagogischen Lehrveranstaltung erprobt und anschließend in einer vierwöchigen Praxisphase in Kooperation mit Manuela Köstner und ihrem Musikkurs am Oberstufenkolleg Bielefeld weitergeführt. Auf diese Weise verband das Projekt die Perspektive der Hochschullehre mit einem schulischen Praxisfeld und eröffnete Möglichkeiten, den Einsatz generativer KI nicht nur theoretisch zu reflektieren, sondern auch im Musikunterricht zu erproben.
Das Projekt- und Forschungsdesign sowie das von den Studierenden ko-konstruktiv entwickelte Unterrichtsdesign bildeten Zwischenergebnisse, die im Rahmen der beiden musikpädagogischen Tage an der HfM Detmold am 18. Februar 2025 und am 5. Juli 2025 präsentiert wurden.
In der vorlesungsfreien Zeit wurde die Arbeit im Rahmen einer Forschungsklausur auf einem niedersächsischen Bauernhof vertieft. Dort standen die Formulierung der aus den Unterrichtserfahrungen gewonnenen Designprinzipien sowie erste Analysen des Musikunterrichts im Mittelpunkt.
Die rekonstruktiven Forschungs- und hochschuldidaktischen Entwicklungsergebnisse aus dieser Phase wurden im Herbst 2025 auf mehreren Tagungen vorgestellt, u.a. auf der Learning AID in Bochum, auf der Jahrestagung des Arbeitskreises Musikpädagogische Forschung (AMPF) in Freiburg sowie auf der Abschlusstagung des Netzwerks 4.0 der Musikhochschulen in Detmold.
Diese Präsentationen dienten sowohl der Dissemination der Ergebnisse als auch der fachlichen Rückbindung und Diskussion in hochschuldidaktischen und musikpädagogischen Kontexten.
Im Wintersemester 2025/2026 wurden die im Herbst gewonnenen Tagungsimpulse aufgegriffen und die Analyseergebnisse für die Weiterentwicklung des hochschuldidaktischen Lehr-Lernarrangements im Sinne eines Re-Designs genutzt. In Kooperation mit den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung Detmold und Paderborn und im kontinuierlichen Austausch mit den Fachseminarleiter*innen Mirjam Kyeck und Jörg Bücker wurde eine Fachseminarsitzung geplant, die Erkenntnisse aus dem Hochschulseminar und der Unterrichtserprobung aufbereitet und für die Planung von Musikunterricht unter Einbezug von KI nutzbar macht. Neben den überarbeiteten Lehr-Lernmaterialien gehören dazu auch ausgewählte Forschungsdaten in Form von Text- und Video-Vignetten sowie deren rekonstruktive Interpretationen als Einblicke in die Unterrichtspraxis und reflexive Grundlage für Planungsentscheidungen.
Die Ergebnisse des Projektes KIMu_Lab bestehen daher nicht nur in der Entwicklung eines einzelnen Seminarkonzepts, sondern in der Formulierung und Erprobung von Designprinzipien für den reflektierten Einsatz generativer KI in der Musiklehrkräftebildung, welche in verschiedenen Kontexten eingesetzt werden können. Dabei stehen technische Fragen ebenso im Fokus wie didaktische, fachliche und ethische Dimensionen. Insbesondere die Verschränkung von künstlerischer Praxis, kritischer Reflexion und hochschuldidaktischer Perspektive stellt einen zentralen Mehrwert dar. Generative KI sollte weder als rein technisches Hilfsmittel noch als Ersatz für musikalische Praxis betrachtet werden, sondern als Anlass, Lern- und Bildungsprozesse im Fach Musik neu zu entdecken und kontinuierlich zu hinterfragen.
Mit der Veröffentlichung der Materialien als OER soll dieser Transfer nachhaltig gesichert werden. Gerade für Mitarbeitende an Universitäten und Musikhochschulen entsteht damit die Möglichkeit, auf empirisch informierte und in der Praxis erprobte Materialien zurückzugreifen und diese für eigene Lehrkontexte weiterzuentwickeln. Auch wenn das Projekt selbst an dieser Stelle abgeschlossen wurde, wird die Auseinandersetzung mit KI in der Musikpädagogik am Standort Detmold innerhalb des Forschungsprojektes Par.La.Mus (Partizipative Lehramtsausbildung Musik), das von 2025 bis Ende 2029 läuft, inhaltlich aufgegriffen und weitergeführt werden.
Weitere Informationen zum KI:edu.nrw-Praxisprojekt KIMu_Lab finden Sie hier.
