Die empirische Grundlage des Projekts basiert auf einem zweistufigen Forschungsdesign. In der ersten Projektphase wurde untersucht, wie Studierende KI-Chatbots bei der Bearbeitung von MINT-Aufgaben einsetzen. Hierzu wurden die Chatverläufe von Studierenden analysiert, die ingenieurwissenschaftliche Aufgaben mithilfe eines KI-Chatbots bearbeiteten, ohne zuvor Hinweise zu Prompting oder Plausibilitätsprüfung erhalten zu haben. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurde in einer zweiten Projektphase eine standardisierte Online-Befragung durchgeführt. Ziel war es, die beobachteten Nutzungsmuster aus der Perspektive der Studierenden zu ergänzen und den Unterstützungsbedarf im Umgang mit KI-Chatbots systematisch zu erfassen.
Erste Projektphase: Erhebung des Status quo
In der ersten Projektphase stand die Frage im Mittelpunkt, wie Studierende KI-Chatbots bei der Bearbeitung von MINT-Aufgaben tatsächlich einsetzen und in welchem Umfang sie die generierten Ergebnisse hinterfragen oder überprüfen. Das Ziel bestand darin, ein realistisches Bild des aktuellen Nutzungsverhaltens zu gewinnen und typische Vorgehensweisen im Umgang mit KI-generierten Lösungen zu identifizieren.
In diesem Zusammenhang haben wir zunächst geeignete Aufgabenstellungen entwickelt und die technische Infrastruktur für die Datenerhebung vorbereitet. Anschließend bearbeiteten Studierende der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Hochschule Hamm-Lippstadt ausgewählte MINT-Aufgaben mithilfe des DSGVO-konformen KI-Chatbots „Chat AI”. Dabei erfolgte keine Vorgabe von Hinweisen oder Methoden zur Plausibilitätsprüfung der KI-generierten Ergebnisse. So sollte ein möglichst unverfälschtes Bild des tatsächlichen Nutzungsverhaltens entstehen. Während der Bearbeitung wurden die vollständigen Chatverläufe dokumentiert und für die weitere Analyse herangezogen.
Auswertung der Chatprotokolle
Im Anschluss wurden die erhobenen Chatprotokolle systematisch ausgewertet. Da die Eingaben der Studierenden häufig nur aus kurzen Prompts bestanden und die Chatverläufe nur begrenzt Rückschlüsse auf die zugrunde liegenden Entscheidungsprozesse zuließen, stand zunächst eine quantitative Auswertung im Vordergrund.
Das Ziel der Analyse bestand darin, typische Nutzungsweisen beim Einsatz von KI-Chatbots sichtbar zu machen und erste Hinweise auf den Umgang mit KI-generierten Ergebnissen zu erhalten. Hierzu wurden unter anderem die Art und Länge der Prompts, wiederkehrende Interaktionsmuster sowie der weitere Umgang mit den erzeugten Antworten untersucht. Von besonderem Interesse war dabei, ob die Studierenden die Ergebnisse durch weitere Nachfragen überprüften oder die Interaktion unmittelbar nach Erhalt der ersten Antwort beendeten.
Die Auswertung ermöglichte es, erste typische Fehler, Strategien und Nutzungsweisen zu identifizieren. Gleichzeitig wurden Optimierungsansätze für das Prompting sowie für Lösungs- und Überprüfungsstrategien entwickelt. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die Konzeption der zweiten Projektphase.
Zweite Projektphase: Quantitative Befragung der Studierenden
Die Analyse der Chatprotokolle zeigte auf, wie Studierende KI-Chatbots aktuell nutzen. Die anschließende Befragung sollte Aufschluss darüber geben, warum sie bestimmte Vorgehensweisen wählen und welche Unterstützung sie sich für einen kompetenten Umgang mit generativer KI wünschen.
Hierzu wurde auf Grundlage der Ergebnisse der ersten Projektphase ein standardisierter Fragebogen entwickelt und mit SoSci Survey umgesetzt. Die Befragung erfasst unter anderem die Häufigkeit und die Motive der Nutzung von KI-Systemen, die erwartete Wirksamkeit generativer KI für Lernprozesse sowie den Bedarf an interaktiven Übungseinheiten und digitalen Werkzeugen zur Plausibilitätsprüfung KI-generierter Ergebnisse.

Die Ergebnisse der Befragung dienen der Bedarfsbestimmung. Sie bilden die Grundlage für die Entwicklung praxisnaher Lernangebote und Methoden. Diese sollen Studierende dabei unterstützen, KI-Chatbots reflektiert, verantwortungsvoll und fachlich fundiert in der MINT-Lehre einzusetzen.