Zwischen Innovation und Verantwortung: Herausforderungen beim Einsatz von KI-Chatbots in der Hochschullehre

Beitragsbild Neues von unseren Praxisprojekten

Zwischen Innovation und Verantwortung: Herausforderungen beim Einsatz von KI-Chatbots in der Hochschullehre

Praxisprojekt „Prompt.Think.Check.“

Kennen Sie das? Sie stellen einem KI‑Chatbot eine MINT-Aufgabe, erhalten sofort eine Antwort – und fragen sich, ob Sie diesem Ergebnis, wie exemplarisch in der Abbildung gezeigt, vertrauen können und die Antwort korrekt ist.

Prompt.Think.Check. Bild

Abbildung: Exemplarischer Chatverlauf beim Lösen einer mathematischen Aufgabe, aber wie bewerten wir das Ergebnis?

KI-Chatbots können unglaublich hilfreich sein: Sie unterstützen beim Lernen und liefern schnell Antworten. Sie können aber auch Fehler machen oder Informationen unvollständig bzw. falsch wiedergeben. Solche „Halluzinationen“ wirken mitunter sehr plausibel, weshalb sie schwer zu erkennen sind. Deshalb ist es wichtig, KI‑Antworten kritisch zu prüfen, bevor man sich darauf verlässt oder sie weiterverbreitet.

A hallucination is a plausible falsehood

Kalai et al., 2025

In diesem Blogbeitrag beschreibt das Team des KI:edu.nrw-Praxisprojekts „Prompt.Think.Check.“  erste Ideen, wie KI-Chatbots beim Lösen von MINT-Aufgaben sinnvoll eingesetzt werden und wie KI-generierte Antworten zuverlässig auf Richtigkeit überprüft und verifiziert werden können.

Ausgangslage und Ziel

Der Einsatz generativer KI ist zu einem integralen Bestandteil des schulischen und universitären Alltags geworden und erfordert einen kompetenten Umgang mit den Ergebnissen von KI-Chatbots. Mit dem KI:edu.nrw-Praxisprojekt „Prompt.Think.Check.“ ist das Ziel verbunden, Studierenden Kompetenzen im Umgang mit KI-Tools zu vermitteln, insbesondere beim Prompt-Engineering, beim kritischen Hinterfragen von KI-Antworten und bei der Plausibilisierung mathematisch-technischer Ergebnisse. Im Projekt arbeiten Lehrende und Lernende der Hochschulen Bonn-Rhein-Sieg und Hamm-Lippstadt gemeinsam daran, welche Lernwerkzeuge und Methoden geeignet sind, um KI sinnvoll und verantwortungsbewusst in der MINT-Lehre einzusetzen.

Herausforderungen

Der Einsatz von KI-Chatbots an Hochschulen eröffnet vielfältige Potenziale für individualisiertes Lernen, Lehrunterstützung und Forschungsprozesse. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Nutzerinnen und Nutzer die Antworten der Systeme unkritisch übernehmen oder unzureichend prüfen und ihnen „blind“ vertrauen, wodurch fachliche Fehler entstehen können. Zudem kann die Eingabe personenbezogener Daten datenschutzrechtliche Risiken bergen, insbesondere wenn beispielsweise die Vorgaben der DSGVO nicht eingehalten werden.

Projektziel und Vorgehen

Das Praxisprojekt Prompt.Think.Check. erforscht, wie Studierende heute mit KI-Chatbots arbeiten, welche Prompting-Strategien sie wählen, wie gut sie Fehler erkennen und wie sehr sie den Antworten vertrauen. Anhand realer Nutzungsdaten und Beobachtungen wurden typische Verhaltensmuster sichtbar  – etwa übermäßiges Vertrauen in falsche Ausgaben, unklare Prompt-Formulierungen oder Lücken in der Ergebniskontrolle. Ziel ist es, ein realistisches Bild davon zu gewinnen, wie Lernende KI-Tools tatsächlich einsetzen und wo es noch Handlungsbedarf gibt.

Um die Anforderungen der DSGVO einzuhalten, wurde für den Praxiseinsatz in den Lehrveranstaltungen den KI-Chatbot Chat AI des Anbieters Academic Cloud eingesetzt. Mit diesem Chatbot ist eine große Datensicherheit gegeben, da bei Nutzung der internen LLMs persönliche Daten und Inhalte ausschließlich lokal gespeichert und nach Beenden der Sitzung gelöscht werden.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden konkreten Bedarfe identifiziert:

  • Welche Kompetenzen fehlen, um KI sinnvoll und sicher zu nutzen?
  • Benötigen Studierende Anleitung beim Formulieren wirksamer Prompts, beim kritischen Prüfen von Ergebnissen, beim Umgang mit Bias oder beim Abschätzen von Zuverlässigkeit   und Grenzen der Systeme?
  • Welche Strategien und technische Unterstützungsangebote sind erforderlich, damit Studierende KI-Anwendungen studien- und prüfungsadäquat einsetzen können?

Bisherige Meilensteine

Im ersten Projektschritt wurden MINT-Aufgaben nach ihrem Schwierigkeitsgrad klassifiziert und darauf aufbauend Strategien entwickelt, um das Prompting sowie die fachliche Prüfung der KI-generierten Lösungen durchzuführen

Hierbei unterscheiden wir zwischen dem Schwierigkeitsgrad, die Aufgabe zu lösen, und dem Schwierigkeitsgrad, eine KI-generierte Lösung zu verifizieren. Ein anschauliches Beispiel für eine Aufgabe, die schwierig zu lösen aber einfach zu prüfen ist, ist das Lösen eines Sudoku-Rätsels. Selbst ein Sudoku-Rätsel der Kategorie schwer kann einfach auf Richtigkeit überprüft werden. Dieses Prinzip lässt sich auch bei der Lösung von MINT-Aufgaben anwenden, wie bei dem in der Abbildung gezeigtem fiktiven Chatverlauf.  Hier kann man durch einfaches Einsetzen erkennen, dass der vom Chatbot berechnete Wert x=3 die Gleichung nicht erfüllt.

Aufbauend darauf entstanden Lernwerkzeuge und Praxis‑Tools, die Studierende befähigen, KI‑Chatbots kompetent bei der Bearbeitung von MINT‑Aufgaben einzusetzen. Besonderer Wert wurde auf einen praxisorientierten Zugang gelegt: Tools und Übungen sind so konzipiert, dass sie unmittelbar in typischen Studienkontexten nutzbar sind.

Ausblick

Die oben beschriebenen Erkenntnisse fließen aktuell in die Gestaltung von Lehrveranstaltungen ein. Hierbei steht nicht nur das Lösen von Aufgaben im Vordergrund, sondern auch das Überprüfen der mit KI-Chatbots generierten Lösungen sowie die dazu notwendigen Methoden und Tools.

Glossar und Beispiel

Definitionen und Begriffe

plausibel: etwas ist plausibel, wenn es mit dem menschlichen Denken und Verständnis vereinbar ist

verifizieren: etwas auf Richtigkeit überprüfen, im Sinne von “Ergebnis verifiziert” oder “Ergebnis nicht verifiziert”

Vertrauen (engl. trust): sich auf die Aussage von jemandem auch in einer kritischen Situation verlassen.

Beispiel aus der Physik

Zwei Blöcke stoßen elastisch aufeinander. Nach Eingabe der beiden Massen und der Anfangsgeschwindigkeiten berechnet der KI-Chatbot die Geschwindigkeiten der Blöcke nach dem Stoß. Die Lösung dieser Aufgabe kann je nach Vorgehen durchaus aufwändig sein. Liegt die KI-generierte Lösung jedoch vor, kann diese einfach überprüft werden, indem die Lösung in die Formeln für den Impuls und die kinetische Energie eingesetzt wird. Wenn Impuls und kinetische Energie nach dem Stoß den Werten vor dem Stoß entsprechen, hat der KI-Chatbot die Aufgabe richtig gelöst.

Angeklickt und weitergelesen

Weitere Informationen zum Praxisprojekt Prompt.Think.Check. finden Sie hier. Das Erklärvideo steht in absehbarer Zeit auf dem ORCA Portal zur Verfügung.

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