Ethik als natürlicher Bestandteil von Entwicklungsprozessen

Recap Ethik-Workshop im Projekt KI:edu.nrw

Ethik als natürlicher Bestandteil von Entwicklungsprozessen

Ethik-Workshops in KI:edu.nrw

Ethik darf kein Diskussionsstopper oder Angstthema sein – sie muss als das erkannt werden, was sie ist und sein sollte: Ein natürlicher Bestandteil von Entwicklungsprozessen und deren Reflexion.

Dominik Bär, Mitarbeiter im KI:edu.nrw-Teilprojekt Ethik

Der Workshop: Grundidee

Ethik ist eine komplizierte Sache und daher schwierig, in nur einigen Workshops zu vermitteln. Das Ziel der Ethik der digitalen Methoden und Techniken (EDMT) in KI:edu.nrw ist es, mithilfe von Workshops ein Bildungsangebot zur ethischen Kompetenzbildung in praktischen Projektkontexten anzubieten. Projektteilnehmenden zentrale Erkenntnisse und Methoden der ethischen Evaluation und Reflexion mitzugeben, kann sich als zielführender und effizienter erweisen, als die Fragen der Ethik komplett an einen oder wenige „professionelle“ Ethiker*innen auszugliedern. Drei dafür geplante Workshops sollten also, aufeinander aufbauend, versuchen dies zu leisten. Der letzte der drei Ethikworkshops stand damit vor der Herausforderung, eine Art von Abschluss zu bilden – was nicht leicht ist, allein mit Blick auf die unterschiedlichen Bedarfe der Teilnehmenden.

Nachdem ich über diese Herausforderungen nachgedacht hatte, kristallisierte sich eine Idee heraus: Ziel dieses letzten Ethikworkshops musste es sein, den Teilnehmenden möglichst praktische Erkenntnisse mit auf den Weg zu geben und keine abstrakten Theoriegebäude, die schwer in die Projektpraxis übersetzbar sind. In aller Kürze war es mein Anspruch, dass die Teilnehmenden den Workshop mit mehr Selbstbewusstsein und einem besseren Gefühl verlassen, wenn es um die ethische Evaluation und Reflexion ihrer Arbeit geht.

Doch wie ist so etwas zu erreichen? Darauf hätte ich gerne eine objektive, allgemeingültige Antwort – die ich leider in Gänze nicht anbieten kann. Wohl aber in Teilen: Denn einer der wichtigsten Aspekte scheint mir zu sein, die Berührungsängste und Blockaden abzubauen, über die viele Nichtethiker*innen (teils auch verständlicherweise) verfügen. Ethik darf kein Diskussionsstopper oder Angstthema sein – sie muss als das erkannt werden, was sie ist und sein sollte: Ein natürlicher Bestandteil von Entwicklungsprozessen und deren Reflexion. Ein Prozess, in dem man auch Fehler machen darf, wie bei allem anderen auch. Und vor allem als ein Prozess, der nicht nur abstrakte Metabegriffe betrifft, sondern auch handfeste Bereiche wie die Nutzerakzeptanz und Systemeffizienz beeinflussen kann.

Die Teilnehmenden

Es hat mich gefreut, vier Personen vor Ort begrüßen zu dürfen: Tillmann Eller von KIMu_Lab, Lars Lorenz von Sokratesᵗ, Vanessa Jochum von TermRAG 4 SafeAI und Sarah Becker als wissenschaftliche Hilfskraft der EDMT.

Eine kleine Runde, was sich aber eher als Vorteil erweisen sollte und ein sehr angenehmes und persönliches Arbeitsklima geschaffen hat.

Die Teilnemenden des Ethik-Workshops

Die Teilnehmenden des Ethik-Workshops vom 9. Oktober 2025 (v.l.): Vanessa Jochum von TermRAG 4 SafeAI, der Workshop-Leiter Dominik Bär, Tillmann Eller von KIMu_Lab und Lars Lorenz von Sokratesᵗ.

Der Tag der Durchführung

Am Donnerstag (09.10.2025) um 12 Uhr ging es dann in Präsenz im Zentrum für Wissenschaftsdidaktik (ZfW) auf dem Campus der Ruhr-Universität Bochum los. Drei Stunden Zeit und viel zu tun. Es hieß also, die Zeit möglichst gut zu nutzen und möglichst hilfreich auf die Bedarfe der Teilnehmenden einzugehen. Die Stimmung war von Anfang an gut. Die kleine Runde machte die Kommunikation zwischen uns sehr einfach und reibungslos.

Der Workshop war inhaltlich in zwei Abschnitte geteilt: einen theoretischen zu Beginn und einen praktischen in der zweiten Hälfte. Ich startete mit Ausführungen und Überlegungen meinerseits zu den Herausforderungen der ethischen Projektevaluation allgemein, der Reibung zwischen Theorie und Praxis und damit verbunden dem Hauptziel, dass man im Projektkontext anstreben sollte: Ethik als transparenten Prozess einer reflexiven Praxis zu verstehen und als natürlichen Bestandteil in Entwicklungsprozesse zu implementieren. Danach gingen wir auf das in der ersten Ethikhandreichung veröffentlichte Ethik-Framework ein – mit dem Ziel, noch bestehende Fragen und Probleme, die sich in der Arbeit damit evtl. gezeigt hatten, zu klären. Angereichert wurde dieser Ansatz mit einigen Beispielen aus dem Framework von Sarah Spiekermann, das sich besonders für praxisnahe Überlegungen und Einführungen in das Thema anbietet.

Angeklickt und weitergelesen

Alles Infos zum Ethik-Teilprojekt bei KI:edu.nrw sowie die Handreichungen, die im Rahmen der Projektarbeit entstanden sind, sind hier zu finden: https://ki-edu-nrw.ruhr-uni-bochum.de/ueber-das-projekt/phase-2/querschnittsthemen/ethik/

Nach einer kurzen Pause zur Halbzeit gingen wir dann zum praktischen Teil über, den ich mit einer kurzen Aufwärmübung zum Trolley-Dilemma, einem Klassiker ethischer Dilemma-Situationen, einleitete.

Was ist das Trolley-Dilemma?

Ein führerloser Wagen (Trolley) rast auf ein Gleis zu, auf dem fünf Menschen gefesselt sind. Du stehst an einer Weiche. Wenn du den Hebel umlegst, lenkst du den Wagen auf ein Nebengleis – dort befindet sich eine Person. Option A: Greife nicht ein → fünf Personen sterben. Option B: Weiche umstellen → eine Person stirbt, fünf überleben. Die Frage lautet: Darfst (oder sollst) du aktiv eingreifen, um die größere Zahl zu retten, obwohl du dadurch den Tod der einen Person verursachst?

 

Danach fragte ich bei den Teilnehmenden nach, was ihnen mehr helfen würde: Konkret auf ihre erstellten Ethikkonzepte eingehen, oder lieber zusammen einen Artikel (bzw. Blogeintrag) lesen und ethisch reflektieren, der sich mit algorithmischer Schulnotengenerierung in der Corona-Zeit in England beschäftigt? Die Wahl fiel klar auf letzteres. Die Gespräche und Überlegungen zum Text erwiesen sich als sehr hilfreich und interessant. Wir konnten auf klassische Probleme der ethischen Evaluation in Praxiskontexten eingehen und damit die Bedeutung von Ethik in realen Situationen klar machen.

Wie oft verging die Zeit schneller als gedacht und kurz vor dem Ende des Blogeintrags endete auch der Workshop. Eine kurze Feedbackrunde beschloss das Ganze und ich hatte das Gefühl, dass die Teilnehmenden zumindest einige wichtige Erkenntnisse mitgenommen haben und dass sie tatsächlich selbstbewusster mit dem Thema umgehen konnten als zuvor. 

Mein Fazit war sehr positiv und wurde durch die Reaktionen der Teilnehmenden gestärkt. Die Trennung zwischen Theorie und Praxis war zwar sinnvoll, es hat sich allerdings gezeigt, dass viele Teilnehmende konkrete und gemeinsam erarbeitete Beispiele und Diskussionen den theoretischen Darlegungen vorziehen. Für die Zukunft ist dies eine wichtige Erkenntnis.

Ethik in einer KI-Anwendung wie Sokratest einzubetten ist nicht nur fundamental wichtig, sondern auch eine große Herausforderung. Die Workshops haben mir sehr geholfen, die Kernprinzipien besser zu begreifen und mit einem ersten Ethikkonzept auch in die Gestaltung der Plattform einfließen zu lassen.

Lars Lorenz, Mitarbeiter im KI:edu.nrw-Praxisprojekt Sokratesᵗ

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