

Jonas Leschke ist im Oktober 2021 als Projektkoordination bei KI:edu.nrw gestartet. Mit Beginn der zweiten Projektphase gab er diesen Posten ab und übernahm im Januar 2024 die Standortverantwortung an der Ruhr-Universität Bochum für das Projekt. Nach etwas mehr als vier Jahren verlässt Jonas nun die RUB und auch KI:edu.nrw – und blickt in diesem Projekttagebuch noch einmal auf seine Arbeit, das interdisziplinäre Miteinander sowie auf die Entwicklungen von KI:edu.nrw. Ein Gespräch über strukturelle Veränderungen, Potenziale und persönliches Wachstum im Projekt.
Ich bin im Oktober 2021 als Projektkoordination von KI:edu.nrw an der RUB gestartet. Die Koordination des Projekts wurde von Anfang an auch als eine inhaltliche Stelle verstanden. Daher habe ich neben den klassischen Koordinationsaufgaben die wissenschaftsdidaktische Perspektive im Projekt vertreten und eingebracht. Ganz konkret habe ich den didaktischen Mehrwert von Learning Analytics und die Gefahren für das Lernen in die Projektarbeit eingebracht. In enger Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen habe ich erarbeitet, wie Lehrende und Studierende der RUB Learning Analytics gegenüberstehen.
Die wohl deutlichste Veränderung meiner Arbeit und Rolle hat sich dann mit der zweiten Projektphase ab Januar 2024 ergeben. Mittlerweile durfte ich die Stabsstelle für Strategische Lehrprojekte an der RUB leiten. Dadurch war ich für das Projekt an der RUB verantwortlich, sodass ich eine noch stärker strategische Perspektive auf die Projektarbeit eingenommen habe. Zudem ist das Thema generative KI stärker in den Fokus der Projektarbeit gerückt, sodass sich mein eigener Fokus stärker dorthin verschoben hat. „Nebenher“ durfte ich die Learning AID-Tagung mit dem großartigen Team organisieren.
Der größte Veränderungsfaktor von außen war sicherlich die Veröffentlichung von ChatGPT. Da wir uns als Projekt schon zuvor Expertise im Bereich generative KI erarbeitet haben und das gesellschaftliche und mediale Interesse daran im Frühjahr 2023 durch die Decke ging, jonglierten wir plötzlich eine schwer zu händelnde Anzahl von Beratungs-, Vortrags- und Medienanfragen.
Wie oben erwähnt war der Übergang zwischen der ersten und zweiten Projektphase mit Veränderungen verbunden. Nicht nur meine Rolle hat sich verändert. Auch das Projekt erfuhr strukturelle Veränderungen, indem die RWTH Aachen stärker und die HHU Düsseldorf neu Teil des Konsortiums wurden.
All diese Veränderungen habe ich absolut positiv wahrgenommen!
Ganz klar die fachliche Expertise und auch das überfachliche Interesse der interdisziplinären Projektgruppe! Ich habe von den Kolleg*innen wahnsinnig viel lernen können und habe es immer sehr geschätzt, dass wir unsere gegenseitige fachliche Expertise anerkannt haben und nach dem besten Kompromiss für alle Perspektiven gesucht haben.
Da fällt mir ganz viel ein. 😊 Der offensichtlich größte Bedarf der Hochschulen liegt aktuell auf dem Thema generative KI. Aber nur weil Learning Analytics gerade nicht so präsent und „laut“ ist, heißt es in meinen Augen nicht, dass in Learning Analytics nicht weiterhin großes Potenzial steckt! Ich halte auch in Zeiten generativer KI Learning Analytics für einen Ansatz mit großem Potenzial für die Lehrentwicklung. Vielleicht besonders in Kombination mit generativer KI. Schulung und Vernetzung ist auch zukünftig für beide Themen wichtig – und genau hier liegt das Potenzial des Projekts und dessen etablierten Angeboten und Strukturen.
Ich habe zuvor schon die Interdisziplinarität im Projekt hervorgehoben. Diese war (und ist) aber auch eine Herausforderung. Beispielsweise werden Begriffe unterschiedlich verstanden und Arbeitsweisen unterscheiden sich zwischen den Disziplinen. In der ersten Projektphase sind wir diese Herausforderung beispielsweise mit einer Arbeitsgruppe proaktiv angegangen, in der wir die unterschiedlichen Verständnisse von Studienerfolg im Kontext von Learning Analytics herausgearbeitet haben. Das war für mich ein Erfolg – auch für die weitere Zusammenarbeit.
Highlights und Erfolgserlebnisse gab es in dem Projekt wirklich viele. Die Etablierung der Learning AID, die jährlichen KI-Vernetzungstreffen NRW, die Projektergebnisse in Publikationen und einem eigenen Sammelband zu veröffentlichen und sicherlich vieles vieles mehr. Für mich waren aber auch immer die (kleinen) Situationen des fachlichen Austauschs innerhalb der Projektgruppe Highlights und natürlich die jährlichen Klausurtage, die in meinen Augen für ein Konsortialprojekt wahnsinnig wichtig sind und auf die ich mich immer gefreut habe!
KI:edu.nrw ist das erste Projekt, das ich koordiniert habe und allein deshalb habe ich in den vergangenen Jahren viel lernen dürfen und müssen. Das bedeutet natürlich, dass nicht immer alles sofort optimal gelingt. Geholfen hat mir dabei das konsequente Vier-Augen-Prinzip bei neuen Aufgaben. Durch die Kollegialität in der Projektgruppe war es immer leicht, das notwendige zweite Paar Augen zu finden. Das ist aber vielleicht genau das, was ich meinem früheren Ich sagen würde: Hol dir schon früh kollegiale Rückmeldungen für Ideen und Zwischenstände ein. Meiner Erfahrung nach spart dies am Ende Zeit und führt zum besseren Ergebnis.
Schaue ich ausschließlich darauf, dass ich das Projekt nun verlasse und blende die tolle Perspektive durch meine neue Stelle aus, macht es mich wirklich einfach nur traurig, KI:edu.nrw zu verlassen. Ein wirklich super Projekt mit großartigen Kolleg*innen, denen ich weiterhin ganz viel Freude und Erfolg wünsche und natürlich Geduld, wenn mal wieder eine andere fachliche Perspektive den eigenen Argumenten gegenübersteht. 😊
Ich darf nun das Zentrum für Lehren und Lernen an der HAW Hamburg leiten und werde dort wieder mit vielen neuen Themen und Personen zu tun haben. Darauf freue ich mich sehr und ich werde viele meiner Erfahrungen aus der Projektarbeit dort einbringen und für meine Arbeit nutzen können.
