

Wie können Learning Analytics mit der Software POLARIS gelingen? Der folgende Blog-Beitrag beschreibt den Weg des KI:edu.nrw-Transferprojekts an der UDE, die notwendigen Voraussetzungen für den erstmaligen Einsatz von POLARIS im Sommersemester 2026 zu schaffen. Lesende, die Interesse am Einsatz von Learning Analytics mit POLARIS in ihren eigenen Einrichtungen haben, erhalten hier einen exemplarischen Einblick in die dafür notwendigen Schritte und in praktische Erfahrungen aus der Umsetzung.
Seit Projektauftakt im Juli 2025 verfolgt das Transferprojekt an der Universität Duisburg-Essen (UDE) das Ziel, durch die Einführung und Erprobung von POLARIS eine nachhaltige Learning Analytics-Architektur an der UDE aufzubauen. Damit knüpft das Transferprojekt an die 2023 neu aufgelegte Digitalisierungsstrategie der UDE an, die Learning Analytics als wesentliches Handlungsfeld zur Qualitätsentwicklung von Studium und Lehre bis 2030 ausweist.
Bisher bestehen an der UDE keine zentralen Strukturen zur systematischen Verknüpfung von Learning Analytics-Daten der eingesetzten Systeme – das sind das an der UDE entwickelte webbasierte automatische Übungs- und Prüfungssystem JACK, das Lernmanagementsystem Moodle sowie das Campusmanagementsystem HISinOne. In der Vergangenheit wurden Learning Analytics-Daten lediglich punktuell manuell extrahiert und isoliert ausgewertet. POLARIS wird als Lösung angesehen, die Learning Analytics-Daten der Systeme nicht nur technisch, sondern auch konzeptionell zu verknüpfen und somit künftig eine effiziente Datenauswertung und Unterstützung für Lehrende, Studierende und Hochschulverwaltung zu leisten.
Das Transferprojekt konzentriert sich bei der Implementation von POLARIS zunächst auf die Mikro-Ebene, sprich auf die Ebene einzelner Lehrveranstaltungen. Damit soll – neben der tatsächlichen Nutzung des Systems durch Lehrende im Realbetrieb – eine nutzendenorientierte Implementation und Entwicklung des Systems sichergestellt werden, die dem Ziel des Aufbaus einer nachhaltigen Learning Analytics-Architektur entspricht. Als zentrale Handlungsfelder auf Mikro-Ebene wurde die datengestützte Optimierung der Qualität des Lehr- und Lernprozesses, der Prüfungsformate und des individuellen Lernfortschritts durch formative Assessments definiert.
Die Verankerung und Einbindung des Transferprojekts in der UDE erfolgt über eine an den Prorektoraten für „Studium, Lehre und Bildung“ und „Digitalisierung, Innovation und Transfer“ angesiedelte zentrale Arbeitsgruppe, welche das Transferprojekt steuernd begleitet. Mit der unmittelbaren Koordination und Umsetzung des Projekts ist das engere Projektteam betraut.
Es wurde zudem eine Praxisgruppe eingerichtet, welche die aus den verschiedenen Fachbereichen der UDE stammenden Lehrenden, die sich bereit erklärt haben, ihre Lehrveranstaltung in die Learning Analytics-Architektur einzubringen sowie die zentralen involvierten Einrichtungen der Universität in Austausch bringt. Unter anderem sind das Zentrum für Hochschulqualitätsentwicklung (ZHQE), das Zentrum für Informations- und Mediendienste (ZIM) sowie das Dezernat Digitale Transformation und Akademisches Controlling (DTAC) beteiligt.
Dazu wurde – neben der Einrichtung einer zentralen Kommunikationsplattform – im September 2025 und Januar 2026 jeweils ein Workshop angeboten. Der Workshop im September stellte den offiziellen Auftakt der Praxisgruppe dar. Eine gemeinsame Bestandsaufnahme sowie deren Diskussion erfolgte über Inputs zum Projekt, zu den Systemen POLARIS, Moodle, JACK und HISinOne sowie zu einer im Vorfeld des Workshops durchgeführten Online-Befragung der Lehrenden bezüglich ihrer bisherigen Erfahrungen mit Learning Analytics.
Beim zweiten Workshop im Januar standen unter dem Titel „POLARIS in der Anwendung – Learning Analytics in der Praxis gestalten, datenbasierte Lehre gemeinsam entwickeln“ Nutzungsszenarien von POLARIS im Sommersemester 2026 im Vordergrund. Die Lehrenden haben sich mit dem Projektteam über ihre konkreten Anwendungsfälle ausgetauscht und es wurde für das kommende Semester festgelegt, welche Lerndaten mit POLARIS erhoben und welche Lernanalysen umgesetzt werden.
Noch im November und Dezember 2025 wurde auf Basis der Online-Umfrage sowie des ersten Workshops ein Leitfaden für Einzelgespräche mit den Lehrenden konzipiert. Seit Januar werden vom Projektteam ca. einstündige Interviews mit den Lehrenden der Praxisgruppe geführt, um einen detaillierten Einblick in die unterschiedlichen Perspektiven, Bedarfe und Anforderungen der Lehrenden zu erhalten. Die Ergebnisse dieser Einzelgespräche werden anschließend systematisiert und zur Unterstützung der nutzendenorientierten Weiterentwicklung von POLARIS in den Projektverbund KI:edu.nrw zurückgespiegelt.
Auch auf technischer Ebene mussten einige Voraussetzungen für den Einsatz von POLARIS im Realbetrieb im Sommersemester 2026 geschaffen werden. Neben der Konzeption der Systemarchitektur (siehe Abbildung, grüne Pfeile kennzeichnen im weiteren Verlauf des Jahres umzusetzende Komponenten) musste zunächst geklärt werden, welche Akteure der Universitäts-IT beteiligt sind, welche technische Infrastruktur bzw. Serverkapazität benötigt wird und wie diese bereitgestellt wird. Zur Erprobung der Software und einer ersten exemplarischen Verknüpfung wurden Testsysteme von POLARIS und Moodle aufgesetzt.
Systemarchitektur POLARIS an der Universität Duisburg-Essen
In dieser Testphase gab es drei Herausforderungen. Die erste war der Anschluss von POLARIS an das Identitätsmanagementmanagement der UDE. Durch dieses wird die Identifikation der Benutzenden sichergestellt. Die zweite war die Anbindung von Moodle. Die dritte ist die Entwicklung eines Systems zur Übermittlung von Learning Analytics-Daten aus JACK.
Für 2026 ist ebenfalls die datenschutzrechtliche Vorbereitung für eine pseudonymisierte Datenerhebung aus Moodle und JACK sowie eine Stammdatenweitergabe aus HISinOne geplant. Außerdem wird für JACK eine Visualisierung der Auswertungsdaten von POLARIS entwickelt und in Zusammenarbeit mit den Lehrenden werden weitere komplexere Analysen der erfassten Lerndaten erstellt und evaluiert.
