

KIMu_lab, ki.StadtLabor, Sokratest, TermRAG 4 SafeAI und XLM – das sind die fünf Praxisprojekte der ersten Förderphase von KI:edu.nrw. Doch was genau passiert eigentlich in den Projekten? In unserer neuen Serie berichten wir in regelmäßigen Abständen über die Arbeit der Projekte. Heute geht es weiter mit dem ki.StadtLabor: Hier teilt der Studierende Mert Büyüktüfekci seine Erfahrungen im Umgang mit generativer KI und gibt Einblicke in die Gedanken seiner Kommiliton*innen an der TU Dortmund.
Wie verändert sich mein Entwurfsprozess im Architekturstudium, wenn nicht nur meine eigene Vorstellung, sondern auch eine Künstliche Intelligenz (KI) an der Gestaltung beteiligt ist? Genau das durfte ich im ki.Stadt.Labor ausprobieren. Aus einem Spaziergang, ein paar Skizzen und einer Baulücke in Dortmund entstanden mithilfe von generativer KI ganz neue architektonische Visionen und Bilder. Manchmal überraschend und inspirierend, manchmal auch herausfordernd.
Im Laufe des Semesters habe ich nicht nur selbst viel mit der KI experimentiert, sondern auch den Austausch mit meinen Kommiliton*innen gesucht. Zwischen Skizzen, Prompts und Bildschirmen entstanden Gespräche über kreative Prozesse, unsere gestalterische Haltung und darüber, was es heißt, mit einer „intelligenten“ Maschine zu entwerfen. Dieser Blogbeitrag gibt einen kleinen Einblick in unsere Erfahrungen, Zweifel, Aha-Momente und in das, was uns als Studierende besonders bewegt hat.
Mert Büyüktüfekci, Entwurf für eine Baulücke
Ich begann neugierig und spielerisch. Vor dem Einsatz von KI hielt ich meine ersten Ideen in Zeichnungen und Notizen fest. Während des Semesters reichte oft schon eine kleine Skizze, um in wenigen Minuten verschiedenste Bildwelten zu erzeugen. Manche Ergebnisse überraschten mich, weil sie Details hervorhoben, an die ich selbst nicht gedacht hatte.
Mit mehr Routine und Geschwindigkeit veränderte sich auch mein Arbeitsprozess: weniger Handwerk, mehr Konzept, mehr Auswahl und Erzählfaden. Den Prompt ließ ich mir vom ki.sl.Prompt.Assistenten strukturieren. Die Varianten erzeugte ich in Midjourney und ergänzte sie bei Bedarf durch weitere Werkzeuge. Aus Fehlversuchen lernte ich schnell: zuerst Ort und Objekt festlegen, dann den Stil der Bilder, dazwischen wichtige Schlüsselbegriffe. So blieb die Ausgangsidee meine Leitplanke. Um mich nicht in der Bilderflut zu verlieren und nicht von der KI in beliebige Richtungen gezogen zu werden, setzte ich mir klare Regeln. Ich stoppte, sobald grundlegende Kriterien nicht mehr erfüllt waren, zum Beispiel, wenn die Perspektive nicht stimmte oder der stadträumliche Kontext ungenau wurde.
„Die Auseinandersetzung mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz im architektonischen Entwurfsprozess macht deutlich, dass wir uns an einem Wendepunkt kreativer Arbeitsweisen befinden. Innerhalb kürzester Zeit lassen sich Varianten, Visualisierungen oder konzeptionelle Ansätze erzeugen, für die man früher Stunden oder Tage benötigt hätte.“ – Eva Scheerbaum
„Multimodale KI-Modelle eröffnen im architektonischen Entwurfsprozess neue kreative Spielräume. Sie ermöglichen eine schnelle Veranschaulichung von Ideen sowie eine unmittelbare Visualisierung, die sonst erst am Ende eines langwierigen Prozesses entstehen würde.“ – Sarah Meisner
Sarah Meisner, Entwurf eines Wohnhauses
Schon früh wurde klar, dass KI meinen Entwurf zwar erweitert, aber nicht ersetzt. Um meine Handschrift zu sichern, begann ich analog und überführte Skizzen erst danach in KI-generierte Bilder. Renderings – am Computer erzeugte, oft fotorealistische Darstellungen von Entwürfen – sind verführerisch; sie lassen fast jede Idee glänzen. Deshalb nutzte ich sie als Prüfstein, nicht als Beleg. Varianten, die mein Konzept überlagerten, strich ich konsequent. Drei Fragen leiteten dabei die Auswahl: Passt die Lösung zum Ort und zur Aufgabe? Sind Maßstab und Logik plausibel? Trägt das Nutzungsbild mitsamt Materialwirkung? Manchmal öffneten kleine Details neue Perspektiven – etwa eine veränderte Schattenwirkung, die plötzlich eine andere Staffelung nahelegte und den Raum neu strukturierte.
„Kreative Entscheidungen, Planungskompetenz und gestalterisches Urteilsvermögen bleiben unverzichtbar. Der Einsatz von KI ersetzt nicht die Architektur, sondern erweitert die gestalterischen Möglichkeiten und fördert experimentelles Denken.“ – Orkun Ayci
„Die Schwelle, „erst mal die KI zu fragen“, ist oft niedriger, als sich selbst intensiv mit einer Fragestellung auseinanderzusetzen. Das spart Zeit, kann aber dazu führen, dass man eigene Ideen weniger kritisch prüft – und damit an gestalterischer Autonomie verliert.” – Pia Mühlhan
Pia Mühlhan, Entwurf für ein urbanes Gewächshaus
Im Verlauf des Semesters habe ich meine Haltung zur Urheberschaft geschärft. Für mich liegt sie im Konzept und im Prozess: in der Reihenfolge der Entscheidungen und in der bewussten Auswahl der generierten Inhalte und auch schon in der Formulierung des Prompts, der sich schließlich aus meinen eigenen Bildern, Analysen und Skizzen speist. Die Atmosphäre meiner Entwürfe ließ sich so stärker auf meine spezifischen Referenzen zurückführen als auf die allgemeinen Trainingsdaten der KI. Damit blieb die Eigenleistung klar erkennbar.
Zur Frage der Urheberschaft bei generativer KI siehe auch das Rechtsgutachten zum Umgang mit KI-Software im Hochschulkontext (Hoeren, 2023).
Weitere Informationen gibt es hier.
In meinen Präsentationen markierte ich die Beiträge der KI deutlich und dokumentierte die Prompts und die Quellen meiner Referenzen. So konnte ich Verantwortung für den Entwurf übernehmen und zugleich die Arbeitsweise nachvollziehbar machen. Gleichzeitig wünsche ich mir transparentere Datengrundlagen, um Urheber*innen besser benennen und die Reaktionen der Modelle genauer nachvollziehen zu können.
Für den Alltag habe ich außerdem eine feste Grenze gezogen: Grundrisse und Schnitte übernehme ich nicht ohne Nachmodellierung, und Fassaden überprüfe ich immer direkt in der Stadt.
„Für mich stellt die KI in einem experimentellen Rahmen eine gute Möglichkeit dar, viele Ansätze auszuprobieren. Die Möglichkeiten werden von Woche zu Woche mehr, und die Tools entwickeln sich rasant weiter, der Fortschritt ist von Projekt zu Projekt deutlich spürbar. Gerade deswegen hoffe ich darauf, dass die Prozesse transparenter und gerechter werden.“ – Noah Mährmann
„Die Systeme stoßen dort an ihre Grenzen, wo menschliche Intuition, Kontextbewusstsein und nicht-lineares Denken gefordert sind. Wortfragmente oder generische Befehle reichen nicht aus – erst durch einen gezielten, reflektierten Umgang mit den Werkzeugen entfaltet sich ihr Mehrwert.“ – Luca Kittelberger
Luca Kittelberger, Entwurf für einen Kindergarten
Was bleibt nach einem Semester im Dialog mit der KI? Für mich ist klar: Die Integration von KI in den Entwurfsprozess verändert nicht nur die Werkzeuge, sondern auch unser Denken über Gestaltung. Zwischen Euphorie und Skepsis habe ich gelernt: KI kann inspirieren, beschleunigen und neue Perspektiven eröffnen, aber sie ersetzt weder Haltung noch Konzept. Kreativität bleibt eine zutiefst menschliche Ressource.
Der Kurs hat mir gezeigt: Es braucht beides – die Offenheit für neue Technologien und die Lust am kritischen Experiment. Nur im Zusammenspiel entsteht echte gestalterische Qualität.
Gleichzeitig wurde deutlich, wo die Systeme noch an Grenzen stoßen. Maß, Zahl und Ordnung waren oft ungenau oder fehlerhaft. Für die Zukunft wünsche ich mir daher Werkzeuge, die nicht nur atmosphärische Bilder erzeugen, sondern auch die Logik von Räumen, Funktionen und Maßstäben besser begreifen.
Erst wenn alles zusammenkommt – die visuelle Kraft der Bildgeneratoren, das analytische Potenzial von Sprachmodellen, sowie klare ethische und urheberrechtliche Grundlagen – entsteht ein echter Mehrwert für den architektonischen Entwurf.
„Maßstäbe, Raumbezüge und funktionale Zusammenhänge waren oft ungenau oder fehlerhaft. Hier wird deutlich, dass KI aktuell kein tiefes architektonisches Verständnis besitzt.“ – Orkun Ayci
„Je stärker KI den Entwurfsprozess beeinflusst, desto drängender wird die Frage: Welche Rolle wird sie langfristig in der Architektur spielen? Denn Architektur ist mehr als Effizienz – sie erfordert kulturelles Gespür, soziale Verantwortung und ein feines Gefühl für Atmosphäre. Genau darin liegen die Grenzen der KI. “ – Lisa Kupetz
Lisa Kupetz, Entwurf für ein Zukunftslabor
Vielleicht werden wir alle in Zukunft mit ähnlichen Fragen konfrontiert sein: Wie viel Raum geben wir der Maschine, und wie viel Anspruch behalten wir selbst? Die Werkzeuge entwickeln sich rasant weiter. Entscheidend bleibt jedoch, wer sie einsetzt und mit welcher Haltung.
Entwerfen bedeutet für mich, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und Konzepte mit Leben zu füllen. KI kann dabei ein wertvoller Partner sein, wenn wir sie bewusst nutzen und kritisch hinterfragen.
Am Ende ist es eine Frage der Haltung: Lassen wir uns von glänzenden Bildern verführen, oder nutzen wir die Technologien, um neue Ideen zu erproben und den Dialog über Gestaltung zu vertiefen?
Im ki.StadtLabor entstehen Bilder, Texte, Pläne und Raumkonzepte durch den gezielten Einsatz generativer KI-Modelle. In Verbindung mit analogen Gestaltungstechniken wie der Handskizze oder dem Stadtspaziergang entsteht ein hybrider Arbeitsraum, in dem Studierende neue Entwurfsmethoden erarbeiten, erproben und kritisch reflektieren.
Alle Infos zum KI:edu.nrw-Praxisprojekt gibt es hier.
Den ersten Blog-Beitrag aus dem ki.StadtLabor finden Sie hier.
Bildnachweis
Abschlussbild: Mert Büyüktüfekci, Technische Universität Dortmund
